GRAZ JOURNAL

Graz im September: Aufsteirern und Steirischer Herbst-Start

Der September in Graz: Aufsteirern am 19. und 20. September mit 8 Bühnen und 250 Ausstellern, Start des Steirischen Herbst am 24.9., Erntedank und letzte Sommerkonzerte.

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Graz im September: Aufsteirern und Steirischer Herbst-Start

Aufsteirern: 19. und 20. September

Das Aufsteirern ist Österreichs größtes Volkskulturfest und findet 2026 am Samstag, 19. September und Sonntag, 20. September 2026 in der Grazer Innenstadt statt. Das Festival wurde 2002 erstmals veranstaltet und ist seither zu einem der meistbesuchten Events der Stadt geworden. Der Eintritt ist an allen Stationen frei. Das Festival bespielt 8 Bühnen, 7 Tanzböden, 250 Aussteller und mehr als 3.500 Akteurinnen und Akteure aus der steirischen Volkskultur. Teilnehmend sind 12 volkskulturelle Verbände und 14 Tanzlmusi-Gruppen.

Die Hauptspielstätten sind der Hauptplatz, der Landhaushof, der Freiheitsplatz, der Schlossbergplatz und die Innenhöfe der Herrengasse. Auf den Bühnen spielen Blasmusikkapellen, Tanzlmusi-Ensembles, Chöre und Volkstanzgruppen; auf den Tanzböden wird bei mitmachbaren Tänzen getanzt. Die Kasematten am Schlossberg dienen als Aufzeichnungsort für die ORF-2-Show, die traditionell am Sonntagabend live oder im zeitversetzten Modus gesendet wird. Alle Termine, Bühnen und Programmdetails veröffentlicht das Festival auf aufsteirern.at. Eine strukturierte Übersicht mit Zusatzinformationen publiziert auch die Eventseite von Graz Tourismus.

Wer zum Aufsteirern kommt, sieht oft Dirndl, Lederhosen und Trachten in der Innenstadt - das Festival ist einer der wenigen Anlässe, bei denen steirische Tracht in der Stadt in großem Stil sichtbar ist. Gastronomisch ergänzen das Fest zahlreiche Aussteller mit regionaler Kulinarik: Kürbiskernöl-Gerichten, steirischem Wein, Brot aus Bauernbackstuben, Käse aus dem Hochlantsch, Wildspezialitäten aus dem Grazer Bergland. Das Festival ist besonders familientauglich mit eigenen Kinderprogrammen auf mehreren Bühnen. Auch der Grazer Schlossberg wird in das Programm einbezogen: Die Kasematten am Grazer Schlossberg zeichnen die ORF-2-Aufzeichnung auf, während am Schlossbergplatz und am Karmeliterplatz Bühnen für jüngere steirische Bands aufgestellt sind.

Die Veranstalter rechnen 2026 mit rund 200.000 Besucherinnen und Besuchern am Wochenende. Neben den acht Bühnen sind an strategischen Punkten Tanzböden eingerichtet, auf denen offenes Volkstanzen angeleitet wird - vom klassischen Boarischen über den Steirer bis zum Polkaschritt. Die Handwerksaussteller bieten Werkstattformate mit Vorführung: Trachtennäherei, Blaudruck, Holzschnitzerei, Weben und Glasblasen.

Steirischer Herbst: Start am 24. September

Der Steirische Herbst ist seit 1968 das zentrale Festival für zeitgenössische Kunst in der Steiermark und zählt zu den ältesten und renommiertesten interdisziplinären Kunstfestivals Europas. Die 59. Ausgabe läuft vom Donnerstag, 24. September 2026 bis Sonntag, 18. Oktober 2026. Das Festival verbindet bildende Kunst, Performance, Theater, Musik, Literatur und diskursive Formate und findet an Spielstätten in ganz Graz und Teilen der Steiermark statt.

Die klassischen Spielstätten umfassen das Kunsthaus Graz am Lendkai, das Palais Attems in der Sackstraße 17, das Forum Stadtpark, das Minoritensaal, das Grazer Kunstvereins-Haus in der Burgring 3 und das Schaumbad (Freies Atelierhaus) in der Puchstraße. Zusätzlich nutzen die künstlerischen Leitungen regelmäßig Leerstände, Parks und öffentlichen Raum für Performances und Installationen. Im Jahr 2026 steht das Festival weiterhin unter der künstlerischen Leitung von Ekaterina Degot, deren Vertrag bis 2027 verlängert wurde.

Das komplette Programm des Steirischen Herbstes 2026 mit Performance-, Ausstellungs- und Veranstaltungsterminen wird auf der offiziellen Seite steirischerherbst.at publiziert. Tickets sind über das zentrale Festival-Büro und online verfügbar. Das Festival versteht sich explizit als experimentell und sozial-kritisch; das macht es zu einem der künstlerisch anspruchsvollsten Angebote der Stadt. Die Eröffnung am 24. September ist traditionell eines der meistbesuchten Events der Saison.

Historisch gehört der Steirische Herbst zu den ältesten Festivals für zeitgenössische Kunst weltweit. Gegründet wurde er 1968, in der Hochzeit der politisch-kulturellen Erneuerung in Europa. Durchgeführt in einer Stadt, die damals als konservativ galt, war die Idee - ein interdisziplinäres, experimentelles Festival mitten in der Steiermark - radikal. Die prägendsten Ausgaben der letzten 20 Jahre standen unter der Leitung von Peter Oswald (2000-2005), Veronica Kaup-Hasler (2006-2017) und Ekaterina Degot (ab 2018). Jede Ära hat eigene Schwerpunkte gesetzt: von Theater- und Performanceformaten über Musik- und Videoinstallationen bis zum dezidiert politisch-kuratierten Programm der Gegenwart. Die Herbst-Festivalzeitung und der interaktive Spielplan der Festival-App machen den Einstieg auch für Erstbesucherinnen und -besucher zugänglich.

Theater- und Konzertstart nach der Spielzeitpause

Die Bühnen Graz - Oper, Schauspielhaus und Next Liberty - starten im September in die neue Spielzeit 2026/27. Die Grazer Oper eröffnet in der Regel mit einer großen Neuinszenierung, das Schauspielhaus Graz in der Hofgasse 11 programmiert ebenfalls eine Eröffnungspremiere, und das Next Liberty am Kaiser-Josef-Platz bringt seine ersten Familienproduktionen auf die Bühne. Der vollständige Spielplan für die Spielzeit 2026/27 ist ab Anfang September auf den Seiten des Schauspielhaus Graz und der Oper Graz abrufbar.

Auch die Grazer Philharmoniker starten im September in die neue Saison. Die ersten Sinfoniekonzerte im Stefaniensaal und die ersten Opernvorstellungen im Haus am Kaiser-Josef-Platz laufen meist in der zweiten oder dritten September-Woche. Kleinere Spielstätten wie das Theater im Bahnhof, das TAO am Volksgartenplatz und das Theater Quadrum öffnen ebenfalls nach der Sommerpause und bringen ihre erste Programmwoche auf die Bühne.

Erntedank und Kirchenfeste

Der September ist in den Grazer Pfarren der Monat des Erntedanks. Der klassische Erntedanksonntag fällt 2026 auf den 4. Oktober - also knapp außerhalb des Monats - aber viele Pfarren feiern bereits im September Erntedankgottesdienste. Die Franziskanerkirche am Franziskanerplatz, die Stadtpfarrkirche in der Herrengasse, der Grazer Dom und die Pfarrkirchen der Außenbezirke schmücken ihre Altäre mit Gemüse, Obst, Getreide und Erntegaben aus der Region. Details zu den genauen Terminen der Erntedankgottesdienste publiziert die Katholische Kirche Steiermark auf ihrer Termine-Seite.

In den ländlichen Bezirken der Stadt - Andritz, Mariatrost, Gösting, Straßgang - finden zusätzlich kleinere Erntedankfeste mit Umzug statt, oft mit Traktoren, die geschmückte Erntewägen ziehen. Diese Feste sind meist lokal organisiert und werden von den jeweiligen Pfarren oder Trachtenvereinen getragen. Einige dieser Umzüge führen auf Gemeindeniveau durch die Ortsteile.

Weinlese und Kulinarik-Feste

Der September ist in der Südsteirischen Weinregion der Monat der Lese. In den Buschenschänken rund um Kitzeck, Gamlitz, Leutschach und Ehrenhausen beginnen die Weinbauern mit der Traubenernte; die ersten Sturm- und Traubensäfte kommen in den Ausschank. Der „Sturm" - ein gärender, trüber, süßer Traubenmost - ist in der Steiermark ein kulturelles Saisonprodukt, das nur wenige Wochen im Jahr verfügbar ist. Viele Grazer Lokale und Buschenschänken bieten ab Ende September Sturm und neuen Traubensaft an.

In Graz selbst verkaufen die Bauernmärkte am Kaiser-Josef-Platz und am Lendplatz (Montag bis Samstag, 6 bis 13 Uhr) im September Herbstspezialitäten: Kürbisse aller Sorten, Kastanien, Walnüsse, Haselnüsse, steirisches Kürbiskernöl aus frischer Pressung, Äpfel aus steirischen Obstbaugemeinden (Puch bei Weiz, Pöllau, Stainz), Birnen, Zwetschgen und die ersten Quitten. Details zu den Grazer Märkten pflegt die Stadt Graz auf ihrer Marktseite.

Herbstbeginn und Tag-Nacht-Gleiche

Die Herbst-Tagundnachtgleiche fällt 2026 auf Mittwoch, den 23. September 2026 um 02:05 Uhr MESZ. Ab diesem Tag sind die Nächte länger als die Tage; der astronomische Herbst beginnt. In Graz geht die Sonne am 23. September um 6:34 Uhr auf und um 18:44 Uhr unter - die Tageslänge beträgt noch 12 Stunden und 13 Minuten. Das Licht ändert sich merklich: Mittags ist die Sonne noch warm, morgens und abends bereits deutlich kühler. Die ersten Herbstfarben erscheinen an den Laubbäumen in Stadtpark und Augarten ab Mitte September, die volle Farbintensität kommt jedoch erst im Oktober.

Meteorologisch beginnt der Herbst bereits am 1. September. Die durchschnittlichen Höchsttemperaturen im September liegen in Graz laut Geosphere Austria bei rund 20 Grad, die Tiefsttemperaturen bei etwa 10 Grad. Niederschläge sind mäßig häufig, aber selten intensiv. Der September ist damit einer der angenehmsten Monate für Städtereisen nach Graz: nicht mehr so heiß wie im Hochsommer, aber noch warm genug für Schanigärten und Outdoor-Aktivitäten.

Schlossberg, Museen und Schloss Eggenberg

Der Schlossberg ist im September ein besonders lohnendes Ziel, weil die Hitze des Hochsommers vorbei ist und die Besucherdichte nachlässt. Der Aufstieg über den Kriegssteig mit seinen 260 Stufen, der Uhrturmsteig oder die Schlossbergbahn (90 Sekunden Fahrtzeit) führt zum Uhrturm, dem prägenden Wahrzeichen der Stadt. Der Aussichtsgraben und das Schlossberg-Plateau bieten Blicke über die Altstadt, Richtung Grazer Dom, Herrengasse und Hauptplatz.

Schloss Eggenberg im Bezirk Eggenberg läuft im September in voller Öffnung: Prunkräume mit dem Planetensaal über Führungen, Schlosspark täglich von 8 bis 19 Uhr. Die Kulturgeschichte der Eggenberger ist über das Universalmuseum Joanneum vermittelt; Details zu Öffnungszeiten und Führungen publiziert die Joanneum-Website. Parallel dazu haben auch die weiteren Joanneum-Häuser - Landeszeughaus, Neue Galerie, CoSA (Center of Science Activities), Naturkundemuseum - im September volles Programm.

Die wichtigsten September-Termine 2026

Datum Event Ort
ab SeptemberSpielzeitstart Oper, Schauspielhaus, Next LibertyBühnen Graz
19. - 20. SeptemberAufsteirernHauptplatz, Landhaushof, Schlossberg, Kasematten
23. September 2026Herbst-Tagundnachtgleiche (02:05 Uhr MESZ)-
24. September - 18. OktoberSteirischer Herbst ’26 (Start)Kunsthaus, Palais Attems, Forum Stadtpark, Minoritensaal
laufendErntedankgottesdiensteGrazer Pfarren
laufendBauernmärkteKaiser-Josef-Platz, Lendplatz

Anreise und Mobilität im September

Der September ist in Graz eine der besten Reisezeiten: Das Wetter ist meist stabil, die Hochsaison der Hotelbuchungen verschiebt sich bereits, und die kulturellen Highlights sind dicht. Rund um das Aufsteirern-Wochenende (19./20. September) und den Start des Steirischen Herbstes (24. September) ziehen die Hotelpreise nochmals an; wer flexibel ist, kann in der zweiten September-Woche oder der ersten Oktoberwoche deutlich günstigere Angebote finden. Der Grazer Hauptbahnhof ist über die ÖBB-Fernverbindungen gut angebunden; die ÖBB-Fahrplanauskunft veröffentlicht spezielle Sommer-zu-Herbst-Übergangsfahrpläne.

Innerhalb der Stadt sind die Straßenbahnlinien das Rückgrat des Nahverkehrs. Für die Innenstadt-Festivals (Aufsteirern, Steirischer Herbst) reicht ein Tagesticket der Graz Linien. Besonders während des Aufsteirern-Wochenendes fährt die Linie 1 zu Mariatrost in erhöhter Frequenz, weil viele Besucher die Wallfahrtsbasilika am Rande des Festivalbesuchs mitnehmen. Die Details zu Takten und eventuellen Sonderverkehren publiziert die Holding Graz Linien.

Der September 2026 ist damit in Graz der Monat, in dem traditionelle Volkskultur und zeitgenössische Avantgarde-Kunst innerhalb einer einzigen Woche auf der Bühne stehen: Am 19./20. September zeigt das Aufsteirern die breit getragene Volkskultur der Steiermark mit Blasmusik, Tanz und regionaler Kulinarik; fünf Tage später beginnt der Steirische Herbst mit Performances, Installationen und experimenteller Kunst. Der Kontrast macht den September in Graz besonders - und für Besucherinnen und Besucher besonders spannend.

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