Das Mausoleum Ferdinands II.: Ein Meisterwerk des Frühbarock
Das Mausoleum Kaiser Ferdinands II. in Graz: Giovanni Pietro de Pomis entwarf ab 1614 den manieristischen Bau, Johann Bernhard Fischer von Erlach gestaltete ab 1687 die Innenausstattung.
Der Auftrag: Ferdinand II. und sein Mausoleum
Im Jahr 1614 - also fünf Jahre bevor er 1619 zum römisch-deutschen Kaiser gewählt wurde - gab Ferdinand II. (damals noch Erzherzog und Herzog von Innerösterreich) den Auftrag zum Bau seiner eigenen Grabstätte. Ferdinand war eine der zentralen Figuren der Gegenreformation in Österreich. Er übernahm die Regierung ab 1595/96 von Graz aus das sogenannte "Innerösterreich" - Steiermark, Kärnten, Krain, Görz und Teile Istriens - und hatte mit harter Hand die Rekatholisierung seines Gebietes durchgesetzt, nachdem die Reformation im späten 16. Jahrhundert große Teile des Adels und des Bürgertums protestantisch gemacht hatte. Bis 1628 mussten nach seinen Befehlen mehr als 2.500 protestantische Familien aus Steiermark und Kärnten auswandern.
Der Standort seines Mausoleums war wohl überlegt: direkt neben dem Grazer Dom und damit in unmittelbarer Nähe zur Burg, wo Ferdinand residiert hatte. Die Wahl eines Monumentalgrabs in Graz - statt in Wien oder einer anderen Kaiserresidenz - war bemerkenswert, denn sie verbanden den politischen Willen des Herrschers mit seiner Herkunftsstadt (er war 1578 in Graz geboren). Nach seinem Tod 1637 in Wien wurden seine sterblichen Überreste tatsächlich nach Graz überführt und im noch unfertigen Mausoleum beigesetzt, wo sie bis heute ruhen.
Giovanni Pietro de Pomis: Der Architekt aus Lodi
Der erste und zentrale Architekt des Mausoleums war Giovanni Pietro de Pomis (1569-1633), auch "Pietro de Pomis" genannt. Er wurde in Lodi bei Mailand geboren und war in Graz seit etwa 1595 als Hofkünstler Ferdinands tätig. Neben dem Mausoleum errichtete er auch die Mariahilfer Kirche (Mariahilferstraße) und begann mit der Planung von Schloss Eggenberg, die später von anderen Architekten fortgesetzt wurde. De Pomis war ein echter Universalkünstler: Maler, Architekt, Bühnenbildner, Zeichner. Für das Mausoleum entwarf er einen kühnen, für Österreich damals vollkommen neuen Typus: eine kreuzförmige Kapelle (die Katharinenkirche) verbunden mit einer ovalen Grabkuppel.
Der Baubeginn erfolgte 1614, aber die Arbeiten schritten nur langsam voran. De Pomis starb 1633 im Alter von 64 Jahren in Graz, bevor er das Werk vollenden konnte. Die Bauleitung übernahm Pietro Valnegro, der die Dächer fertigstellte und den Turm errichtete. Bei Ferdinands Tod 1637 war das Mausoleum äußerlich weitgehend fertiggestellt, im Inneren aber noch ein leerer, roher Bau - eine Art Rohbau, in dem der Kaiser provisorisch beigesetzt wurde.
Die Innenausstattung durch Johann Bernhard Fischer von Erlach
Die kunsthistorisch bedeutsamste Phase begann erst ein halbes Jahrhundert nach Ferdinands Tod. 1687 beauftragte Kaiser Leopold I. - Ferdinands Enkel - den damals rund dreißig Jahre alten Johann Bernhard Fischer von Erlach mit der barocken Innengestaltung des Mausoleums. Fischer, geboren 1656 in Graz, hatte in Rom bei Bernini und Carlo Fontana studiert und war gerade auf dem Sprung zum wichtigsten österreichischen Barockarchitekten seiner Generation. Das Grazer Mausoleum war einer seiner ersten großen öffentlichen Aufträge und sollte seine Karriere wesentlich beflügeln.
Fischer von Erlach entwarf die Fresken in der Kuppel, die Stuckarbeiten und Altäre der Katharinenkirche sowie den Sarkophag-Bereich im Untergeschoss. Die Kuppelfresken zeigen die katholischen Tugenden und stellen die Taten Kaiser Ferdinands dar - ein ikonografisches Programm, das den Gegenreformator als idealen katholischen Herrscher feiert. Die Arbeiten zogen sich über Jahrzehnte, mit Unterbrechungen durch die Türkenkriege und Finanzknappheit. Die vollständige Fertigstellung der Innenausstattung erfolgte erst um 1714 - rund hundert Jahre nach dem Baubeginn des Mausoleums und mehr als siebzig Jahre nach Ferdinands Tod.
Die ovale Kuppel über der Grabkammer gilt laut dem offiziellen Portal der Dompfarre Graz-Seckau zum Mausoleum als die erste dieser Art, die außerhalb Italiens errichtet wurde - ein bedeutendes Detail für die Architekturgeschichte des mitteleuropäischen Barock, da die ovale Kuppel zuvor nur in Rom und in Oberitalien bekannt war. Die Bauform wurde später zum Standard für mitteleuropäische Barockkirchen.
Der Bau im Detail: Zwei Teile, ein Ensemble
Das Mausoleum besteht aus zwei architektonisch verschiedenen Teilen, die durch eine gemeinsame Fassade und ein einheitliches ikonografisches Programm verbunden sind. Der erste Teil ist die Katharinenkirche: eine kreuzförmige, dreischiffige Kirche mit einem kurzen Chor und zwei Seitenkapellen. Sie ist der Heiligen Katharina von Alexandrien geweiht, einer der vierzehn Nothelfer. Der zweite Teil ist die Grabkapelle selbst: ein oval grundrissener Raum unter der Kuppel, in dem die Sarkophage der kaiserlichen Familie stehen. Die Verbindung beider Teile erfolgt über einen Durchgang vom Langhaus der Kirche in die Grabkapelle.
An der Außenfassade springen zwei Details ins Auge. Erstens: der hohe Turm, der westlich der Hauptfassade steht und von einer Kuppel bekrönt wird. Zweitens: die skulpturale Außenfront, die anders als bei den meisten österreichischen Kirchen der Zeit nicht mit Putzmotiven, sondern mit echten Skulpturen und Reliefs dekoriert ist. An der Westfassade thront eine große Statue des Erzengels Michael, darunter Kaiser Ferdinand selbst - der seinen eigenen Grabbau überblickt.
Im Inneren ist die ovale Kuppel das markanteste Element. Ihre Höhe erreicht rund 30 Meter bis zur Laterne, der Durchmesser beträgt etwa 13 Meter. Die Fresken im Kuppelrund zeigen die "Apotheose Ferdinands" - eine Verherrlichung des Verstorbenen als katholischer Vorkämpfer gegen die Reformation. Die Farbwirkung ist reduziert (Rot, Gold, Blau), die Komposition dynamisch im Sinne des italienischen Hochbarocks.
Die Grablege: Wer ruht hier?
Im Untergeschoss des Mausoleums, der sogenannten "Gruft", stehen die Sarkophage Ferdinands II. und mehrerer Mitglieder seiner Familie. Beigesetzt sind dort:
- Kaiser Ferdinand II. (gestorben 1637 in Wien, Überführung nach Graz)
- Seine erste Gemahlin Maria Anna von Bayern (gestorben 1616)
- Seine Mutter Maria von Bayern (gestorben 1608); sein Vater Karl II. von Innerösterreich (gestorben 1590) ist dagegen in der Basilika Seckau beigesetzt
- Weitere Familienangehörige des frühen habsburgischen Innerösterreich-Zweigs
Interessanterweise wurden nicht alle Habsburger, die im 17. und 18. Jahrhundert in Graz geboren oder gestorben waren, hier bestattet. Viele wurden in die Wiener Kaisergruft bei den Kapuzinern überführt. Das Grazer Mausoleum ist damit einerseits ein Herzstück habsburgischer Grablegung, andererseits ein spezifisch innerösterreichisches Monument. Die Ausstattung der Gruft wurde ebenfalls von Fischer von Erlach entworfen: bescheidener Stein, ein dezentes Kreuz, keine überbordende Ornamentik - eine bewusst zurückhaltende Geste, die den Raum auf die Toten selbst konzentriert.
Der Bau im heutigen Kontext
Das Mausoleum ist Teil der sogenannten "Grazer Stadtkrone" und liegt in der Burggasse unmittelbar südlich des Grazer Doms. Es gehört zum UNESCO-Welterbe der Grazer Altstadt, das seit 1. Dezember 1999 besteht, und ist damit Teil einer der am dichtesten bebauten historischen Kernzonen Europas. Es ist jedoch kirchlicher Bau und Eigentum der Dompfarre Graz-Seckau, nicht des Landes Steiermark oder des Universalmuseums Joanneum. Das ist deswegen wichtig zu betonen, weil das Mausoleum manchmal in Reiseführern fälschlich dem Joanneum zugeordnet wird - es ist jedoch eine katholische Filialkirche unter dem Patronat der Dompfarre.
Die Pfarre Graz-Seckau nutzt die Katharinenkirche gelegentlich für liturgische Zwecke, vor allem für Taufen, kleinere Gottesdienste und Gebetsabende. Hauptfunktion ist jedoch heute die der Sehenswürdigkeit: Das Mausoleum ist über die Saison geöffnet und wird jährlich von mehreren zehntausend Besuchern besichtigt. Eine Restaurierung zwischen 2007 und 2012, finanziert durch das Bundesdenkmalamt und die Diözese Graz-Seckau, hat die Kuppelfresken und Stuckaturen wieder sichtbar gemacht. Das Bundesdenkmalamt dokumentiert das Welterbe Graz inklusive des Mausoleums als Teil der historischen Kernzone der Stadt.
Besichtigung: Öffnungszeiten und Eintritt
Das Mausoleum ist nicht ganzjährig zugänglich. Die Saison läuft vom 1. April bis zum 31. Oktober, Dienstag bis Sonntag von 9 bis 17 Uhr. Von November bis März ist das Mausoleum normalerweise geschlossen; Winterführungen können jedoch nach Voranmeldung beim Diözesanmuseum (Telefon 0316 8041-890) organisiert werden. Der Eintritt kostet 6 Euro regulär, 3 Euro ermäßigt (Schüler, Studierende, Senioren). Informative Broschüren in deutscher und englischer Sprache sind gegen einen kleinen Unkostenbeitrag erhältlich.
Führungen finden nicht regelmäßig statt; sie können jedoch für Gruppen ab zehn Personen oder auf individueller Anfrage beim Diözesanmuseum oder beim Grazer Tourismusbüro gebucht werden. Spezialführungen zur Architekturgeschichte, zur Bedeutung der Gegenreformation, zur Ikonografie der Kuppelfresken oder zum Werk Fischers von Erlach sind auf Anfrage möglich. Die Beschriftung im Inneren ist eher sparsam; wer die Kunstgeschichte des Baus verstehen möchte, sollte entweder eine Führung buchen oder einen Kunstführer mitbringen.
Informationen zu Öffnungszeiten und Ticketpreisen finden sich auch im offiziellen Graz-Tourismus-Eintrag zum Mausoleum. Fotografieren ist ohne Blitz im Inneren erlaubt; Stativaufnahmen nur nach Rücksprache mit dem Personal.
Anreise und Kontext
Das Mausoleum liegt in der Burggasse 3, 8010 Graz, direkt neben dem Grazer Dom. Vom Hauptplatz sind es rund fünf Gehminuten; die nächsten Tramhaltestellen sind "Hauptplatz" (Linien 1, 3, 4, 5, 6, 7) und "Schauspielhaus/Hofgasse" (Linien 1, 7). Parkmöglichkeiten bestehen in den Parkgaragen am Andreas-Hofer-Platz, in der Parkgarage Freiheitsplatz oder am Schlossberg; in der Innenstadt ist das Parken am Straßenrand stark eingeschränkt.
Ein Besuch des Mausoleums kombiniert sich natürlich mit dem benachbarten Grazer Dom, mit der Burg (nur wenige Meter entfernt) und mit dem Priesterseminar in der Bürgergasse. Gemeinsam bildet dieser Komplex die Grazer Stadtkrone - eine Dichte an bedeutenden Bauten, die in Österreich nur in Salzburg und Wien ähnlich zu finden ist. Wer einen halben Tag Zeit hat, kann alle drei Hauptbauten (Dom, Mausoleum, Burg) inklusive der Doppelwendeltreppe und einer Führung durch die Hofkirche besuchen. Im Sommer sind die Außenbereiche des Mausoleums kostenlos zugänglich; nur der Innenraum ist kostenpflichtig.