GRAZ JOURNAL
politik

Grazer Schulden nähern sich der Zwei-Milliarden-Marke

Der Rechnungsabschluss 2025 zeigt einen Schuldenstand von 1,926 Milliarden Euro. Bis Ende 2026 wird die Zwei-Milliarden-Grenze voraussichtlich überschritten. Finanzstadtrat Eber sieht die Stadt besser als geplant, die Opposition kritisiert Kostenexplosionen.

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Die Stadt Graz hat im Jahr 2025 einen Schuldenstand von 1,926 Milliarden Euro erreicht. Das geht aus dem Rechnungsabschluss 2025 hervor, den Finanzstadtrat Manfred Eber (KPÖ) präsentierte. Bis Ende 2026 dürfte die Zwei-Milliarden-Euro-Marke erstmals überschritten werden. Dem Schuldenstand stehen allerdings Vermögenswerte von rund 5,039 Milliarden Euro gegenüber.

Positiv: Der operative Cashflow lag mit 53,3 Millionen Euro deutlich über dem budgetierten Wert von 33 Millionen Euro. Zusätzliche Einsparungsmaßnahmen in Höhe von 20 Millionen Euro trugen dazu bei, dass das Jahr 2025 besser abgeschlossen wurde als geplant.

Massive Investitionen in die Infrastruktur

Graz investierte 2025 insgesamt 340,1 Millionen Euro in die städtische Infrastruktur. Die größten Posten entfielen auf den öffentlichen Nahverkehr (Graz Linien) mit 65,3 Millionen Euro, den Schulbau mit 40,8 Millionen Euro, Wasser- und Abwasserinfrastruktur mit 34,4 Millionen Euro sowie Straßenbau mit 29,8 Millionen Euro und Energieversorgung mit 29,2 Millionen Euro.

Finanzstadtrat Eber verwies darauf, dass diese Investitionen notwendig seien, um die wachsende Stadt zukunftsfit zu machen. Die Pro-Kopf-Bruttoverschuldung stieg von 2021 bis 2025 allerdings um 33,2 Prozent.

Strukturelle Probleme bei den Einnahmen

Eber machte für die angespannte Finanzlage vor allem strukturelle Ursachen verantwortlich. Die Ausgaben der Gemeinden in Österreich seien in den vergangenen Jahren 12 Prozent schneller gestiegen als die Einnahmen. Die Steuerreform 2022 schlage jährlich mit einem Einnahmenverlust von 30 bis 35 Millionen Euro zu Buche.

Besonders kritisierte der Finanzstadtrat die ungleiche Verteilung der Ertragsanteile des Bundes: Die Stadt Salzburg erhalte bei vergleichbarer Struktur über fünf Jahre gerechnet rund 400 Millionen Euro mehr als Graz. Auch die steigenden Pflichtausgaben im Sozialbereich belasten das Budget zunehmend.

Einnahmenseitige Lichtblicke

Auf der Einnahmenseite gab es auch positive Entwicklungen: Die Grundsteuer brachte 3,4 Millionen Euro mehr ein als im Vorjahr, die Parkgebühren stiegen um 0,6 Millionen Euro, und die Ertragsanteile vom Bund lagen um 8,5 Millionen Euro über dem Vorjahreswert. Die Kommunalsteuer ging allerdings um 1,5 Millionen Euro zurück.

Opposition kritisiert Kostenexplosionen

Die ÖVP übte scharfe Kritik am Finanzgebaren der Stadtregierung. Gemeinderat Markus Huber verwies auf massive Kostenüberschreitungen bei Großprojekten: Das neue Straßenbahndepot habe 80 Millionen Euro mehr gekostet als geplant, beim Projekt Josef-Huber-Gasse seien 10 Millionen Euro Mehrkosten aufgelaufen. Zudem stellte Huber die Prioritätensetzung bei Straßenumgestaltungen infrage.

Die Finanzsituation der Stadt Graz dürfte auch im bevorstehenden Wahlkampf für die Gemeinderatswahl am 28. Juni ein zentrales Thema werden. Eber betonte, dass Graz trotz der hohen Schulden handlungsfähig bleibe und die notwendigen Investitionen in Bildung, Verkehr und Infrastruktur weiterhin leisten könne.