GRAZ JOURNAL

Grazer Sportlegenden: Die bedeutendsten Athletinnen und Athleten

Mario Haas, Ivica Vastic, Ivica Osim, Thomas Muster und die Grazer Sportlandschaft: Die bedeutendsten Legenden der Stadt und ihrer Vereine.

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Grazer Sportlegenden: Die bedeutendsten Athletinnen und Athleten

Die beiden Grazer Fußballvereine: Sturm und GAK

Die Grazer Fußballgeschichte ist vor allem eine Geschichte zweier Vereine. Der SK Sturm Graz wurde am 1. Mai 1909 gegründet und feierte 2009 sein hundertjähriges Jubiläum. Der GAK 1902 - der Grazer Athletiksport Klub - ist mit seinem Gründungsdatum 18. August 1902 der ältere der beiden und damit einer der ältesten noch bestehenden Fußballvereine Österreichs. Die Vereinsgeschichte des GAK ist auf der offiziellen Seite des Grazer Athletiksport Klub 1902 dokumentiert. Der GAK erreichte 2004 seinen größten Erfolg mit dem Double aus österreichischer Meisterschaft und Cup-Sieg, musste aber wegen finanzieller Schwierigkeiten 2012 den Spielbetrieb des Kampfmannschaftsteams einstellen und die Mannschaft in der Regionalliga neu aufbauen.

Sturm Graz ist seit 1945 konstant in der obersten österreichischen Spielklasse vertreten und war 1998 und 1999 österreichischer Meister, erneut 2011, 2024 und 2025 (nach kontinuierlichen Spitzenplatzierungen unter Trainer Christian Ilzer). Das „Grazer Derby" zwischen Sturm und GAK galt lange als eines der schärfsten Duelle im österreichischen Fußball; seit dem Wiederaufstieg des GAK in die Bundesliga 2024 wird es wieder regelmäßig gespielt. Beide Vereine haben ihr Stadion im Bezirk Liebenau - Sturm in der Merkur Arena, der GAK im eigens renovierten GAK-Stadion an der Körösistraße.

Ivica Osim - Der Jahrhunderttrainer

Ivan „Ivica" Osim wurde am 6. Mai 1941 in Sarajevo (damals Königreich Jugoslawien) geboren und starb am 1. Mai 2022 in Graz. Als Spieler war er jugoslawischer Nationalspieler (16 Länderspiele), bevor er Anfang der 1970er Jahre nach Straßburg und Sedan wechselte. Seine Trainerkarriere führte ihn nach der Auflösung Jugoslawiens 1994 zum SK Sturm Graz, wo er auf Vermittlung von Heinz Schilcher engagiert wurde. Von Juli 1994 bis September 2002 stand Osim insgesamt 383 Pflichtspiele lang an der Sturm-Seitenlinie und führte den Verein zu den beiden Meistertiteln 1998 und 1999, drei ÖFB-Cupsiegen (1996, 1997, 1999) und drei Champions-League-Teilnahmen. Die Stadt Graz widmet ihm einen Eintrag auf dem Graz.at-Persönlichkeiten-Portal.

Unter Osim erreichte Sturm Graz 2000 das Achtelfinale der Champions League in einer Zwischenrunde und verpasste das Viertelfinale nur knapp am letzten Spieltag. In den Gruppenspielen hatte Sturm zuvor unter anderem Manchester United im Old Trafford zu einem 0:0 gezwungen, was europaweit für Aufmerksamkeit sorgte. Nach seiner Grazer Zeit war Osim Trainer der japanischen Nationalmannschaft (2006-2007) und arbeitete bis zu seinem Tod als Berater für den bosnischen Fußballverband. 2007 wurde Osim zum Ehrenbürger der Stadt Graz ernannt. Sein Tod im Mai 2022 wurde in Graz mit einer Gedenkfeier und einer Minute Schweigen vor dem nächsten Sturm-Spiel begangen.

Mario Haas - Der „Bomber" von Sturm Graz

Mario Haas wurde am 16. September 1974 in Graz geboren und ist der unangefochtene Rekord-Torschütze des SK Sturm Graz. In über 15 Jahren für den Verein absolvierte er rund 450 Bundesliga-Spiele und erzielte dabei rund 145 Tore. Er gewann unter Osim die beiden Meistertitel 1998 und 1999 sowie die drei ÖFB-Cupsiege 1996, 1997 und 1999. Gemeinsam mit Ivica Vastic und Hannes Reinmayr bildete er das sogenannte „magische Dreieck" des SK Sturm der späten 1990er Jahre. Die Vereinsseite führt ihn als Ehrenkapitän und Sturm-Legende seit 2016.

Am 1. Dezember 2012 beendete Haas mit 38 Jahren im Spiel gegen Wiener Neustadt (3:1) seine aktive Karriere. Er ist seit 2009 Mitglied der Sturm-Jahrhundertelf, seit 2016 Ehrenkapitän und seit 2017 offizielle Vereinslegende. Für die österreichische Nationalmannschaft bestritt er 43 Länderspiele, darunter drei Partien bei der Fußball-Weltmeisterschaft 1998 in Frankreich. Nach seiner aktiven Karriere blieb Haas dem Verein in verschiedenen Funktionen erhalten; er lebt bis heute in Graz und ist regelmäßig im Umfeld der Merkur Arena präsent.

Ivica Vastic - Der älteste EM-Torschütze

Ivica Vastić wurde am 29. September 1969 in Split im damaligen Jugoslawien geboren und kam als junger Spieler nach Österreich. Im Sommer 1994 wurde er vom SK Sturm Graz geholt, wo er unter Trainer Osim zu seinen größten Erfolgen fand: zweifacher österreichischer Meister (1998, 1999), dreifacher ÖFB-Cupsieger (1996, 1997, 1999), dreifacher österreichischer Supercup-Gewinner. Als Sturm-Kapitän führte er das Team bei den drei Champions-League-Kampagnen 1998, 1999 und 2000. 1996 erhielt er die österreichische Staatsbürgerschaft und debütierte am 6. September 1996 gegen Schottland im Nationalteam.

Sein bekanntester Moment als Nationalspieler liegt jedoch außerhalb seiner Grazer Zeit. Bei der Fußball-Europameisterschaft 2008 in Österreich und der Schweiz, die Österreich gemeinsam mit der Schweiz ausrichtete, wurde Vastic am 28. Mai 2008 vom damaligen Teamchef Josef Hickersberger nominiert. Am 12. Juni 2008 erzielte der 38-jährige Vastic im Gruppenspiel gegen Polen in Wien per Elfmeter den 1:1-Ausgleich - das einzige österreichische Tor des Turniers. Mit 38 Jahren und 257 Tagen ist er damit bis heute der älteste Torschütze in der Geschichte einer Fußball-EM-Endrunde. Vastic lebt heute als Fußball-Trainer und Nachwuchstrainer in Wien; seine Grazer Jahre gelten als die erfolgreichsten seiner Karriere.

Thomas Muster - „The King of Clay"

Thomas Muster wurde am 2. Oktober 1967 in Leibnitz in der Südsteiermark geboren - knapp 40 Kilometer südlich von Graz - und gilt als der erfolgreichste österreichische Tennisspieler aller Zeiten. Seine Trainingsbasis lag während wichtiger Phasen seiner Karriere in Graz, unter anderem bei seinem langjährigen Förderer Ronald Leitgeb und in den Grazer Tennisvereinen. Am 11. Juni 1995 gewann Muster das French-Open-Finale in Paris gegen Michael Chang mit 7:5, 6:2, 6:4 und wurde damit der erste Österreicher, der ein Grand-Slam-Einzelturnier gewann. Die Nachrichten zu diesem Sieg sind auf ATP Tour - offizielle Spielerbiografie archiviert.

Zwischen Februar und Juni 1995 gewann Muster 40 Einzelspiele auf Sand in Folge - die längste Serie auf Sand seit Björn Borg (1977-1979, 46 Siege). In der Saison 1995 gewann er insgesamt zwölf ATP-Einzeltitel, ein bis heute gültiger Rekord der ATP Tour seit 1990. Am 12. Februar 1996 wurde Muster offiziell zur Nummer eins der ATP-Weltrangliste - er war der erste Nicht-Amerikaner, der die Nr. 1 in der Ära der ATP-Punktewertung wurde, ohne gleichzeitig in Wimbledon oder bei den US Open zu triumphieren. Seine Karriere wurde 1989 durch einen schweren Autounfall in Miami beinahe beendet, als ein angetrunkener Fahrer ihn in Key Biscayne anfuhr und ein Kniebandriss drohte seine Laufbahn zu beenden. Muster kehrte innerhalb eines halben Jahres auf die Tour zurück - eines der berühmtesten Comebacks der Tennisgeschichte.

Andere Grazer Sportdisziplinen

Eishockey: Graz 99ers

Die Graz 99ers wurden 1999 gegründet und spielen seit 2003 in der österreichischen ICE Hockey League (früher Erste Bank Eishockey Liga). Ihre Heimspielstätte ist die Merkur Eishalle im Grazer Bezirk Liebenau, die eine Kapazität von rund 4.050 Zuschauern hat. Die 99ers erreichten 2014/15 das Playoff-Finale, blieben aber bisher ohne Meistertitel. Der Verein ist der einzige aus Graz in einer der Topligen des österreichischen Eishockeys und gehört neben den Klagenfurter KAC und den Vienna Capitals zu den wichtigsten Klubs in Österreich.

Basketball: UBSC Graz und der Basketball am Fuße des Schlossbergs

Der UBSC Graz (ehemals Raiffeisen Graz) ist der erfolgreichste Grazer Basketballverein. Er spielt in der österreichischen Basketball Superliga und erreichte mehrfach die Playoff-Runden. Graz hat eine traditionsreiche Basketballszene, die bis in die 1960er Jahre zurückreicht, und hat mehrere österreichische Nationalspieler hervorgebracht. Die Halle Raiffeisen Sportpark in Eggenberg ist die wichtigste Heimspielstätte für den Basketball in der Stadt.

American Football: Graz Giants

Die Graz Giants wurden 1981 gegründet und spielen in der Austrian Football League (AFL). Sie gehören zu den erfolgreichsten österreichischen American-Football-Vereinen und wurden 1989, 1990, 1991 und 1992 viermal in Folge österreichischer Meister. Ihre Heimspielstätte ist der ASKÖ-Platz in der Jakominigürtel-Straße. Der Verein spielt in der European League of Football (ELF) seit deren Gründung 2021 und gehört damit zu den international sichtbarsten österreichischen Teamsport-Klubs.

Die Grazer Sportstadien

Graz hat mehrere große Sportstätten, die regelmäßig Großveranstaltungen beherbergen:

  • Merkur Arena (Liebenau): Hauptstadion des SK Sturm Graz, 1997 neu errichtet, Kapazität rund 15.400 Sitzplätze. Trug bei der Eröffnung 1997 den Namen „Arnold-Schwarzenegger-Stadion", wurde Ende 2005 nach einer politischen Kontroverse umbenannt.
  • GAK-Stadion (Körösistraße): Heimspielstätte des GAK 1902, renoviert nach dem Wiederaufstieg in die obere Spielklasse. Kapazität rund 4.800 Zuschauer.
  • Merkur Eishalle: Heimspielstätte der Graz 99ers im Grazer Bezirk Liebenau, rund 4.050 Sitzplätze.
  • Raiffeisen Sportpark Graz: Multifunktionshalle im Bezirk Eggenberg, Heimspielstätte des UBSC Graz und Volleyball-Vereine, bis zu 2.500 Sitzplätze.
  • ASKÖ-Stadion Puntigam: Ausweichstadion für Fußballspiele und Leichtathletik, rund 1.500 Sitzplätze.

Die wichtigsten Grazer Sportlegenden im Überblick

NameLebensdatenSportGrößte Erfolge
Ivica Osim1941-2022Fußball-Trainer2 Meistertitel, 3 Cupsiege, 3 Champions-League-Starts mit Sturm
Ivica Vasticgeb. 1969Fußball2 Meistertitel, 3 Cupsiege mit Sturm; ältester EM-Torschütze (2008)
Mario Haasgeb. 1974FußballRund 145 Tore in rund 450 Bundesliga-Spielen, Rekord-Torschütze
Thomas Mustergeb. 1967TennisFrench Open 1995, ATP Nr. 1 ab 12. Februar 1996
Hannes Reinmayrgeb. 1969Fußball„Magisches Dreieck" mit Vastic und Haas bei Sturm

Momente der Grazer Sportgeschichte

5 Höhepunkte des Grazer Sports

  1. 1998/99 - SK Sturm Champions League: Erstmals österreichischer Klub in der Hauptrunde, Spiele gegen Inter Mailand und Spartak Moskau in der Merkur Arena.
  2. 11. Juni 1995 - Thomas Muster French Open: Erster österreichischer Grand-Slam-Einzeltitel gegen Michael Chang.
  3. 2000 - Sturm in der Zwischenrunde: 0:0 in Old Trafford gegen Manchester United, knapp am Viertelfinale vorbei.
  4. 12. Juni 2008 - Vastic gegen Polen: 1:1-Ausgleich durch 38-jährigen Vastic im Happel-Stadion Wien, einziges österreichisches Tor der EM 2008.
  5. 2004 - GAK-Double: Der Grazer Athletiksport Klub gewinnt erstmals Meisterschaft und ÖFB-Cup.

Sport und Gesellschaft in Graz

Der Sport hat in Graz eine gesellschaftliche Dimension, die über die reinen Ergebnisse hinausgeht. Die „Schwarzen" des SK Sturm und die „Roten" des GAK bilden traditionell eine Identitätslinie, die ganze Stadtteile, Familien und Generationen voneinander trennt - ähnlich wie die Rivalität zwischen Austria und Rapid in Wien, aber in einem kleineren Maßstab. Das Grazer Derby ist heute wieder ein fester Termin im Kalender vieler Grazer Familien. Die Fankultur beider Vereine ist bewusst organisiert: Bei Sturm die „Sturmflut" und das „Sturm 12"-Netzwerk, beim GAK die „Stahlherzen" und der „Block Red".

Sportlich-kulturelle Projekte wie das Grazer „Friedenstor" im Herbst, das jährlich einen Charity-Fußballmatch zwischen Sturm-Legenden, GAK-Legenden und Gastspielern austrägt, unterstreichen den Zusammenhalt trotz der Rivalität. Gleichzeitig ist der Sport in Graz ein wichtiger Integrationsfaktor: In den Jugendakademien beider Klubs und in den kleinen Grazer Stadtteilvereinen begegnen sich Kinder aus allen Bevölkerungsgruppen, und die offiziellen Turniere wie der „Grazer Schülercup" bieten eine seltene Schnittstelle zwischen Schule, Familie und Stadtgesellschaft.

Ein Blick auf die Grazer Sportstadt der Gegenwart

Graz bleibt auch Mitte der 2020er Jahre eine Sportstadt mit klarem Profil. Der SK Sturm hat sich unter Trainer Christian Ilzer und Geschäftsführer Andreas Schicker mehrfach zum Meister und Cupsieger entwickelt und war zuletzt 2024/25 erneut in der Champions League vertreten - die erste erneute Hauptrundenteilnahme eines österreichischen Klubs seit Jahren. Der GAK 1902 hat nach seiner finanziellen Zerrüttung 2012 einen erstaunlichen Wiederaufstieg geschafft und spielt seit 2024 wieder in der österreichischen Bundesliga. Die Graz 99ers sind stabiler Playoffteilnehmer der ICE Hockey League, der UBSC Graz konstant im oberen Tabellenfeld der Basketball Superliga.

Darüber hinaus wächst in Graz die Amateursportszene: Dutzende Laufveranstaltungen jährlich (darunter der Grazer Citylauf und der Murpark-Halbmarathon), ein aktives Radfahrer-Netzwerk rund um den Gravel- und Mountainbike-Sport in der Umgebung, und mit dem Österreichischen Skulpturenpark oder den Freizeitanlagen am Schwarzlsee Outdoor-Möglichkeiten, die Graz für junge, aktive Menschen attraktiv machen. Wer heute die Sportstadt Graz erleben will, sollte neben den großen Legenden auch einen Sonntagvormittag im Stadtpark, auf der Murpromenade oder in einem der Grazer Fitnesstudios verbringen. Die Grazer Sporttradition ist keine abgeschlossene Vergangenheit, sondern eine Gegenwart, die sich jeden Tag neu schreibt.

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