Eishockey in Graz: Die 99ers und das Merkur Eisstadion
Die Moser Medical Graz 99ers in der ICE Hockey League seit 2000, das Merkur Eisstadion in Liebenau und die Geschichte des Grazer Eishockeys seit 1999.
Die Vorgeschichte: Eishockey in Graz vor 1999
Die Grazer Eishockey-Tradition reicht bis in die späten 1940er-Jahre zurück. Mehrere Vereine spielten im Laufe der Jahrzehnte um Aufmerksamkeit: der ATSE Graz, die Eishockey-Sektion des Grazer AK, der EC Graz und einige kleinere Klubs. Der ATSE Graz - Arbeiter Turn- und Sportverein Eggenberg - war dabei der traditionsreichste und sportlich erfolgreichste Verein. In der Saison 1974/75 holten die Eggenberger den ersten Meistertitel für Graz, und in der Saison 1977/78 wiederholten sie den Triumph. Diese beiden nationalen Titel sind die einzigen Meisterschaften, die je ein Grazer Eishockeyverein in der höchsten österreichischen Spielklasse gewonnen hat. Die Tradition zeigte früh, wie groß das Interesse am Eissport in der Stadt war - ein Umstand, der 1963 zur Eröffnung der ersten richtigen Eishalle in Liebenau führte.
In den späten 1990er-Jahren waren die Eishockey-Verhältnisse in Graz aber angespannt. Der damalige Spitzenklub EC Graz geriet in finanzielle Schieflage und stellte den Spielbetrieb vor der Saison 1998/99 ein. Plötzlich stand die steirische Landeshauptstadt ohne Profi-Eishockey da - in einer Sportart, die in der Stadt jahrzehntelang zu den drei beliebtesten gehört hatte. Die Lücke musste gefüllt werden, und schnell.
Die Gründung 1999: Ein Klub, der seinen Namen vom Jahr hat
Der Grazer Unternehmer Jochen Pildner-Steinburg gründete 1999 einen neuen Verein, um das Profi-Eishockey in Graz zu retten. Der Name sollte Programm sein: Graz 99ers - abgeleitet vom Gründungsjahr 1999. Bis heute fragen Gäste aus anderen Städten regelmäßig, ob der Name 1999 oder 1998 meint; die Antwort ist eindeutig, und sie ist im Klubnamen wörtlich eingraviert. Pildner-Steinburg, der später mit dem Goldenen Ehrenzeichen der Stadt Graz ausgezeichnet wurde, stellte die finanzielle Basis, organisierte die ersten Kader und machte den 99ers den Einstieg in die österreichische Liga möglich. Seine Rolle bei der Rettung des Eishockeys in Graz wird in einem offiziellen Beitrag der Stadt Graz ausführlich gewürdigt.
Der Start verlief sportlich besser als erwartet. In der Saison 1999/2000 spielten die 99ers in der Österreichischen Nationalliga, damals die zweithöchste Spielklasse. Nach 28 Runden stand der Klub auf Platz eins und wurde direkt in der ersten Saison Meister. Der Aufstieg in die Erste Bank Eishockey Liga (EBEL) - heute ICE Hockey League - folgte noch im selben Jahr. Ab der Saison 2000/01 spielten die 99ers in der höchsten österreichischen Spielklasse, und sie tun es bis heute ohne Unterbrechung.
Die ICE Hockey League: Die sportliche Heimat seit 2000
Die ICE Hockey League ist die transnationale Top-Liga für Eishockey in Österreich, Italien, Slowenien und zeitweise anderen mitteleuropäischen Ländern. Die 99ers spielen darin seit dem Aufstieg aus der Nationalliga. Im Grundformat treten in der regulären Saison zwölf bis dreizehn Teams in einer Hinrunde, Rückrunde und einer oder mehreren Zwischenrunden gegeneinander an, gefolgt von Playoffs ab dem Viertelfinale. Die genaue Struktur und das Playoff-Format variieren von Saison zu Saison; die aktuelle Ausgabe ist auf der Seite der ICE Hockey League im Detail dokumentiert.
Der größte sportliche Erfolg der 99ers kam in der Saison 2018/19. Nach 15 Jahren in der höchsten Spielklasse schafften die Grazer den Einzug ins Halbfinale der Erste Bank Eishockey Liga. Gleichzeitig beendeten sie zum ersten Mal die reguläre Saison auf Platz eins. Beides waren historische Momente. Der Titel blieb den Grazern allerdings verwehrt - das Halbfinale endete mit einer Niederlage, das Halbfinale bleibt eine der besten Platzierungen der Vereinsgeschichte. Vor 2018/19 hatte der Klub einzig in der Saison 2003/04 das Halbfinale erreicht. Ansonsten war der Alltag in der Liga meist Mittelfeld oder frühes Playoff-Aus; ein wirklicher Angriff auf die Meisterschaft gelang selten.
Das Merkur Eisstadion in Liebenau
Die Heimat der 99ers ist das Merkur Eisstadion - die älteste noch aktive Eissporthalle in Graz. Das Stadion wurde 1963 errichtet und am 23. Dezember 1963 mit einem Eishockeyspiel eröffnet, bei dem der ATSE Graz gegen die polnische Olympiaauswahl mit 3:14 verlor. Der sportliche Einstand war enttäuschend, die Halle selbst wurde schnell zum Zentrum des steirischen Eissports. Ab 1964 war sie die Heimstätte des ATSE Graz und bis 1976 auch der Eishockeysektion des Grazer AK, später des EC Graz und seit 1999 der Graz 99ers.
Die Halle - offiziell seit 2015 Merkur Eisstadion benannt, nach dem Namenssponsor Merkur Versicherung - liegt direkt neben der Merkur-Arena, dem Fußballstadion von Sturm Graz und dem GAK. Damit ist der südliche Bezirk Liebenau das sportliche Herz der Stadt: Fußball und Eishockey in Sichtweite voneinander, beide verwaltet und betrieben von der Messe Congress Graz (MCG). Die Haupthalle fasst bei Eishockeyspielen rund 4.126 Zuschauer. Hinzu kommen Stehplätze für größere Veranstaltungen. Eine Halle B, ein zweiter Baukörper zwischen Eisstadion und Fußballstadion, verfügt über eine zusätzliche Eisfläche von 60 x 30 Metern und dient vor allem dem Nachwuchs, dem Freizeiteislauf und dem Eiskunstlauf. Details zu den Veranstaltungsmöglichkeiten finden sich auf der Seite der MCG zum Merkur Eisstadion.
Die Halle hat über die Jahrzehnte auch internationale Turniere beherbergt. 1973 war sie Austragungsort der Eishockey-B-Weltmeisterschaft, 2009 der Frauen-WM Division I, und 2020 wurden in der Steiermarkhalle in Premstätten die Eiskunstlauf-Europameisterschaften ausgetragen. Für eine Halle mit über sechzig Jahren Betriebsgeschichte ein Programm, das wenig Eissporthallen in Österreich vorweisen können.
Die Fans und die Atmosphäre
Die Fanszene der Graz 99ers ist kleiner als die der großen Fußballklubs, aber über die Saison hinweg konstant. Die Eishalle ist an Spieltagen zu einem großen Teil gefüllt, vor allem bei Derbys gegen den Klagenfurter AC oder den Villacher SV - das klassische steirisch-kärntnerische Eishockey-Derby, das oft in die Top-Spiele der Liga-Tabelle mündet. Gegen Red Bull Salzburg, eine der finanziell stärksten Mannschaften der Liga, ist die Halle regelmäßig ausverkauft. Die Anhänger der 99ers sitzen überwiegend auf den langen Tribünenseiten und der Heimkurve hinter dem Tor; die Stimmung ist lauter als das Publikum groß ist.
Die Anreise zum Merkur Eisstadion ist einfach: Mit der Straßenbahnlinie 4 bis zur Haltestelle Stadion Graz Liebenau oder mit dem Auto über die A2-Abfahrt Graz-Ost. Parkplätze gibt es rund um die Merkur-Arena, an Spieltagen mit großem Publikum füllen sich die Flächen aber schnell. Fans empfehlen die Öffis.
Kader, Trainer und die Saison 2025/26
Der aktuelle Name des Klubs lautet Moser Medical Graz 99ers - nach dem Grazer Haarchirurgie-Unternehmen Moser Medical, das seit mehreren Jahren Namensgeber der ersten Mannschaft ist. Der Kader wird jede Saison teilweise neu zusammengestellt, mit einer Mischung aus österreichischen Spielern, jungen Nachwuchskräften aus der eigenen Akademie und internationalen Profis aus Kanada, Finnland, Schweden, Tschechien und den USA. Die ausländischen Spieler sind im Eishockey auf hohem Niveau unverzichtbar, und die 99ers holen regelmäßig Profis mit NHL-Erfahrung oder Stammspieler aus der KHL.
Im November 2025 stellte der Klub einen neuen Head Coach vor: Dan Lacroix, ein 56-jähriger Kanadier, der zuvor bei NHL-Klubs wie den New York Rangers, den Montréal Canadiens und Tampa Bay Lightning gearbeitet hatte und 2019 die Kölner Haie ins DEL-Halbfinale geführt hatte. Lacroix unterschrieb zunächst einen Vertrag bis zum Saisonende. Er übernahm den Klub in einer sportlich schwierigen Phase und setzte eigene Akzente in der Taktik und im Umgang mit dem Kader. Die Saison 2025/26 läuft im April 2026 auf die Playoffs zu; Details zu Spielplan und aktuellem Kader finden sich auf der offiziellen Kaderseite der Moser Medical Graz 99ers.
Nachwuchsarbeit und der Grazer Eishockey-Unterbau
Unter der ersten Mannschaft arbeitet die Akademie des Vereins. Der Nachwuchs trainiert vor allem in der Halle B und spielt in den österreichischen Nachwuchsligen U14, U16, U18 und U20. Junge Grazer Eishockey-Talente haben in den vergangenen Jahren immer wieder den Sprung in die erste Mannschaft geschafft und von dort aus internationale Karrieren begonnen - einige wechselten später in die deutsche DEL, ins Schwedische Spitzeneishockey oder ins AHL-Farmteamsystem nordamerikanischer NHL-Klubs. Der Grazer Eishockey-Unterbau ist damit eine wichtige Quelle für das österreichische Eishockey insgesamt, auch wenn die absolute Spitze naturgemäß in größeren Nationen wie Tschechien, Finnland oder Schweden ausgebildet wird.
Neben den 99ers gibt es in Graz mehrere kleinere Eishockeyvereine, die im Freizeit- und Hobbybereich spielen. Der ATSE Graz existiert weiterhin in einer verkleinerten Form und betreibt vor allem Nachwuchsarbeit. Für Freizeitläufer und Hobby-Eishockeyspieler bietet das Merkur Eisstadion öffentliche Eislaufzeiten, insbesondere in den Wintermonaten zwischen Oktober und März. In einigen Bezirken, etwa am Schwarzlsee im Süden, gibt es saisonal nutzbare Eisflächen, die bei starken Wintern für den Freizeitsport offen sind.
Wirtschaftliche und sportliche Rahmenbedingungen
Wie alle mitteleuropäischen Eishockey-Klubs außerhalb der ganz großen Märkte (Tschechien, Slowakei, Finnland) kämpfen die 99ers strukturell mit dem Problem, dass Eishockey ein teurer Sport ist. Kaderpreise, Ausrüstung, Eisbetriebskosten, Reisekosten - jede Saison kostet einen zweistelligen Millionenbetrag, und ohne starke regionale Sponsoren wäre der Betrieb auf diesem Niveau nicht finanzierbar. Moser Medical ist dabei einer der zentralen Finanziers, neben regionalen Betrieben und der Stadt Graz als Mitträgerin der Infrastruktur. Die 99ers haben nie einen Meistertitel geholt, aber sie haben es geschafft, den Profi-Eishockey-Betrieb in der steirischen Landeshauptstadt seit 1999 ununterbrochen aufrechtzuerhalten - das allein ist angesichts der wirtschaftlichen Lage des Sports eine bemerkenswerte Leistung.
Die Saison 2025/26 geht mit den Playoffs auf die Zielgerade. Wer ein Heimspiel in der Liebenauer Halle besuchen möchte, kauft Tickets am besten im Voraus über die offizielle Klubwebsite. Ein Einzelticket kostet je nach Sektor und Spiel zwischen 18 und 35 Euro, Dauerkarten sind für die gesamte Saison günstiger. Für Familien bietet der Klub reduzierte Familien-Tickets an. Eishockey in Graz heißt im April 2026: Merkur Eisstadion, Graz 99ers, ICE Hockey League - und eine Halle, die seit 1963 das Zuhause des Grazer Eissports ist.