GRAZ JOURNAL

Radfahren in Graz: Murradweg R2, Stadtrouten, Schöckl

Radfahren in Graz: Der Murradweg R2 (365 km österreichischer Abschnitt), 13 städtische Radwege, Strecken auf Plabutsch und Schöckl und alle wichtigen Mountainbike-Ziele.

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Radfahren in Graz: Murradweg R2, Stadtrouten, Schöckl

Der Murradweg R2: Das Flaggschiff der Steiermark

Der Murradweg R2 ist der längste und bekannteste Flussradweg der Steiermark. Er beginnt an der Mur-Quelle im Nationalpark Hohe Tauern im Salzburger Lungau und führt auf insgesamt rund 365 Kilometern österreichischen Abschnitten durch die Obersteiermark (Tamsweg, Murau, Unzmarkt, Judenburg, Leoben, Bruck an der Mur, Frohnleiten) nach Graz und weiter in die Südsteiermark (Wildon, Leibnitz, Mureck) bis nach Bad Radkersburg an der slowenischen Grenze. Von dort setzt sich der Weg auf slowenischem und kroatischem Territorium fort, was den Murradweg zu einem der wenigen europäischen Radwege macht, die sich durchgängig über drei Länder erstrecken. Die Gesamtlänge vom Ursprung in der Lungau bis zum Schwarzmeer beträgt rund 453 Kilometer; der für die Steiermark relevante Abschnitt liegt bei 365 Kilometern.

Für Grazer Radfahrer ist der Murradweg aus zwei Gründen wichtig. Erstens verläuft er auf seinem Mittelstück direkt durch das Stadtgebiet - vom nördlichen Stadtrand (Weinzödl) über Lend, die Innere Stadt, Gries und Jakomini bis Puntigam im Süden. Damit ist der Radweg die zentrale Nord-Süd-Verbindung für alle Bezirke entlang der Mur und gleichzeitig die wichtigste Langstrecken-Option für Tagesausflüge. Zweitens ermöglicht er Mehrtagestouren in beide Richtungen: Nach Norden Richtung Leoben und weiter in den Lungau, nach Süden Richtung Leibnitz und Bad Radkersburg. Eine detaillierte Streckenbeschreibung findet sich auf der Seite des Murradwegs in der Region Graz bei steiermark.com.

Die typische Tagesetappe für geübte Radfahrer beträgt etwa 50 bis 70 Kilometer. Die Etappe Graz - Leibnitz ist mit rund 47 Kilometern eine der schönsten und flachsten Strecken des gesamten Murradwegs. Sie führt durch die Südsteiermark mit ihren Weinbergen, Obstbäumen und kleinen Marktgemeinden. Die Etappe Graz - Frohnleiten in nördlicher Richtung misst etwa 45 Kilometer mit moderaten Anstiegen und führt durch das engere Murtal vorbei an Deutschfeistritz und Rabenstein. Die komplette Etappe Leoben - Graz hat eine Länge von etwa 74 Kilometern mit 370 Höhenmetern Anstieg und wird von erfahrenen Radfahrern an einem Tag absolviert.

Die 13 städtischen Haupt-Radwege

Neben dem Murradweg R2 hat die Stadt Graz 13 städtische Haupt-Radwege markiert, die das gesamte Stadtgebiet in einem dichten Netz verbinden. Diese Radwege sind als R1 bis R13 nummeriert und auf Tafeln ausgeschildert. Sie führen vom Zentrum in die verschiedenen Außenbezirke: nach Eggenberg im Westen, nach Andritz und Weinzödl im Norden, nach Mariatrost im Nordosten, nach St. Peter im Südosten und nach Straßgang und Puntigam im Süden. Die Radwege bestehen teils aus reinen Fahrrad-Streifen, teils aus gemischten Fuß- und Radwegen und teils aus Nebenstraßen mit Radfahrer-Vortritt. Die Stadt Graz bietet eine kostenlose Online-Radroutenkarte an, auf der Streckenverläufe, Gefahrenstellen, Verleihstationen und Reparaturwerkstätten verzeichnet sind. Details finden sich auf der Seite „Radfahren in Graz" im Grazer Stadtportal.

Im Alltag für Berufspendler, Studierende und Einkaufer sind vor allem die Verbindungen zwischen den Universitäten (Karl-Franzens-Universität in Geidorf, TU Graz in St. Leonhard, Med Uni im Klinikum), dem Hauptbahnhof in Lend, der Innenstadt und den Wohnbezirken wichtig. Die meisten dieser Strecken sind in maximal 15 Minuten mit dem Rad zu bewältigen, bei gutem Wetter schneller und bequemer als mit Bus oder Tram. Die flachen Abschnitte entlang der Mur machen das Radfahren auch für weniger sportliche Menschen attraktiv.

Der Schöckl: Mountainbike-Ziel Nummer eins

Für Mountainbiker ist der Schöckl mit 1.445 Metern das klassische Ziel. Der Grazer Hausberg bietet mehrere markierte MTB-Strecken in unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden, von einsteigertauglichen Forstwegen bis zu technisch anspruchsvollen Trails. Die beliebtesten Aufstiege beginnen in St. Radegund (rund 900 Höhenmeter Aufstieg) oder in Andritz (etwa 1.100 Höhenmeter Aufstieg). Der Abstieg kann wahlweise als Trailrunden oder als Forstwegabfahrt gestaltet werden; wer die körperliche Anstrengung sparen möchte, nimmt die Schöckl-Seilbahn nach oben und fährt nur die Abfahrt.

Die Schöckl Seilbahn wird von der Holding Graz betrieben und transportiert Fahrräder. Die Fahrt dauert rund sieben Minuten und bringt Passagiere samt Rad auf das Gipfelplateau. Von dort aus starten mehrere markierte MTB-Strecken, darunter der bekannte Schöckl-Flow-Trail für Fortgeschrittene und leichtere Abfahrten für Einsteiger. Wichtige Informationen zu Betriebszeiten, Preisen und Mitnahme von Fahrrädern finden sich auf der Seite der Schöckl Seilbahn bei der Holding Graz. Der Schöckl ist auch bei Rennradfahrern beliebt, die den Aufstieg auf der asphaltierten Straße bewältigen wollen - eine klassische Testrunde für das Grundlagenausdauer-Training.

Der Plabutsch: Der kleinere Stadtberg

Neben dem Schöckl ist der Plabutsch mit 754 Metern (Fürstenstand) ein beliebtes Ziel für Mountainbiker und Rennradfahrer aus der Innenstadt. Der Aufstieg ab Eggenberg oder Gösting überwindet rund 400 Höhenmeter und ist für einen kurzen Feierabend-Ausflug ideal. Die Strecke ist weitgehend auf befestigten Wegen und Nebenstraßen angelegt, so dass auch normale Trekkingräder den Aufstieg schaffen. Am Plabutsch-Plateau angekommen, hat man einen Panoramablick über das Grazer Becken und die nördlichen Ausläufer der südsteirischen Weinberge. Die Strecke ist rund 12 bis 14 Kilometer lang, je nach Aufstiegsvariante.

Die Plabutschbahn, eine kleine Standseilbahn, transportiert Passagiere samt Rad nach oben. Sie wird zwar nicht von allen Grazer Rennradfahrern geschätzt (viele nehmen den Anstieg als Trainingsmöglichkeit), ermöglicht aber Familien und Einsteigern einen bequemen Aufstieg. Oben angekommen, kann man eine Runde um das Plateau fahren und die Abfahrt genießen.

Die Südsteirische Weinstraße: Rennrad-Klassiker

Für Rennradfahrer ist die Südsteirische Weinstraße südlich von Graz der Klassiker. Die Weinstraße schlängelt sich durch die sanfte Hügellandschaft zwischen Leibnitz und der slowenischen Grenze, vorbei an Weingütern, Buschenschanken und historischen Dörfern wie Kitzeck und Gamlitz. Von Graz aus erreicht man die Region über den Murradweg nach Leibnitz und von dort aus auf verschiedenen Landstraßen weiter in die Weinberge. Eine klassische Tagestour misst zwischen 80 und 120 Kilometern mit 800 bis 1.400 Höhenmetern, je nach Route.

Die Südsteirische Weinstraße ist besonders im Frühjahr (April bis Juni) und im Herbst (September bis Oktober) beliebt, wenn die Temperaturen angenehm sind und die Weinlese ansteht. Im Hochsommer kann die Hitze in der Region knacken, und die offenen Hanglagen ohne Schatten fordern den Kreislauf. Wer eine geführte Tour bucht, findet bei der Region Südsteiermark und verschiedenen Radreise-Anbietern mehrere Optionen.

Die Lassnitzhöhe und der R49 Mostwärtsradweg

Der R49 Mostwärtsradweg führt aus dem Südosten von Graz durch Lassnitzhöhe - einen kleinen Kurort mit traditionsreichem Heilbad - ins Raabtal und weiter nach Gleisdorf. Die Strecke ist hügelig, aber nicht übermäßig anspruchsvoll, und verbindet die steirische Landeshauptstadt mit der Region um Gleisdorf und die Apfelstraße. Die Rundtour Graz - Lassnitzhöhe - Graz misst je nach gewählter Route zwischen 40 und 60 Kilometern und eignet sich als Halbtagesausflug.

Lassnitzhöhe selbst hat eine gut ausgebaute Kur- und Wellness-Infrastruktur, mit Hotels, Kurparks und Thermalbädern. Für Radfahrer, die ein Ziel für eine Einkehr suchen, bietet sich der Ort als Wendepunkt an - nach der Einkehr und einem kleinen Imbiss geht die Fahrt zurück nach Graz entspannt bergab.

Kleinere Routen: Puch, Thal, Weinzödl

Für den schnellen Feierabend-Ausflug gibt es in Graz mehrere kleinere, aber reizvolle Routen. Der Weg nach Thal bei Graz, Heimatdorf von Arnold Schwarzenegger mit Schloss Thal und Thalersee, misst vom Stadtzentrum aus rund 10 bis 12 Kilometer pro Richtung und führt über Eggenberg, Gösting und dann auf einer hügeligen Landstraße nach Thal. Die Tour ist ideal für den kurzen Nachmittagsausflug und kombiniert Radfahren mit einem kleinen kulturhistorischen Interesse.

Eine weitere beliebte Strecke führt nach Weinzödl im Norden der Stadt. Dort endet der stadtnahe Abschnitt des Murradwegs, und der Weg ist weitgehend flach, gut ausgebaut und für Familien mit Kindern geeignet. Die Rundtour Innenstadt - Weinzödl - Innenstadt misst etwa 15 Kilometer und kann ohne Anstrengung in einer knappen Stunde bewältigt werden. Am Weinzödl-Umspannwerk ist ein kleines Naherholungsgebiet mit Picknickplätzen angelegt.

Bike-Sharing in Graz: nextbike

Für Kurzstrecken-Radfahrer ohne eigenes Rad bietet Graz das Bike-Sharing-System nextbike an. nextbike betreibt mehrere hundert Stationen in ganz Graz, an denen Leihräder entliehen und zurückgegeben werden können. Die Registrierung ist kostenlos, die Miete erfolgt über die nextbike-App, die auf iOS und Android verfügbar ist. Die ersten 15 oder 30 Minuten sind in vielen österreichischen nextbike-Regionen gratis, längere Mieten werden nach Minutentarif oder Tagespauschale abgerechnet. Die Preise und Stationen sind auf der Seite nextbike Österreich einsehbar.

nextbike eignet sich vor allem für Pendler, Touristen und Kurzstrecken-Nutzer, die nicht regelmäßig in Graz sind. Wer dagegen in Graz lebt und täglich Rad fährt, ist mit einem eigenen Fahrrad besser dran - und die Auswahl in den Grazer Fahrradläden ist umfassend, von klassischen Trekkingrädern über Rennräder bis zu E-Bikes und Cargo-Bikes für Familien.

tim: Kein Bike-Sharing, sondern Carsharing mit Lastenrad-Ergänzung

Häufig wird das System „tim - täglich.intelligent.mobil." der Holding Graz mit Bike-Sharing verwechselt. Tatsächlich ist tim primär ein Carsharing- und E-Mobilitätssystem: Im Mittelpunkt stehen E-Autos und Mietwagen an zentralen Hubs, ergänzt durch E-Taxis und die Anbindung an den öffentlichen Verkehr. In einigen Hubs bietet tim zusätzlich Lastenräder zum Verleih an, was für Familien und kleine Unternehmen interessant sein kann - für den Transport von Kindern, Einkäufen oder leichtem Transportgut. Die Grundlage des Systems ist aber das Auto, nicht das Rad. Wer in Graz ein Bike-Sharing-System sucht, nutzt nextbike. Wer zwischendurch ein Auto oder ein Lastenrad braucht, nutzt tim. Details finden sich auf der Seite von TIM Graz.

Fahrradgeschäfte, Service und Reparaturen

Graz hat eine Reihe gut ausgestatteter Fahrradfachgeschäfte in der Innenstadt und in den Außenbezirken, die von Standardservices (Inspektion, Reifenwechsel, Kettenwechsel) bis zu Spezialaufträgen (Rennrad-Fitting, E-Bike-Service, Mountainbike-Tuning) alles abdecken. Die bekanntesten Läden liegen in der Körösistraße, in der Klosterwiesgasse und in der Murgasse. Viele Geschäfte bieten neben dem Verkauf auch ein Leih-System an, das für Touristen und gelegentliche Radfahrer günstiger ist als der Kauf.

Für dringende Pannenfälle gibt es in Graz mehrere öffentliche Fahrrad-Reparatur-Stationen, die von der Stadt Graz und privaten Initiativen eingerichtet wurden. Die Stationen sind mit Standardwerkzeug (Inbusschlüssel, Schraubenzieher, Luftpumpe) ausgestattet und öffentlich zugänglich. Die Standorte sind auf der Radroutenkarte der Stadt eingetragen.

Die Saison und die Wettervorbereitung

Die Grazer Radfahrsaison beginnt praktisch das ganze Jahr über, die Hauptsaison liegt aber zwischen April und Oktober. Im Winter fahren hartgesottene Pendler weiter, wenn der Winterdienst die Hauptrouten räumt; im Dezember und Januar sind viele Freizeitradler pausiert. Die Sommermonate Juli und August sind die beliebtesten Monate für Mehrtagestouren auf dem Murradweg, auch wenn die Hitze in der Südsteiermark bisweilen knackig wird.

Mit der richtigen Ausrüstung - einem zuverlässigen Rad, wetterangepasster Bekleidung und einem kleinen Reparaturset - ist Graz ein komfortables Ziel für Radfahrer aller Niveaus. Vom 15-Minuten-Pendlerradweg bis zur 120-Kilometer-Tour durch die Südsteiermark ist in der Stadt und im Umland alles möglich. Der Murradweg R2 ist dabei der unbestrittene Höhepunkt und ein Radweg, der in jeder Liste der europäischen Top-Routen mit Abstand mithalten kann.

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